Rückblick: Ein Jahr selbstständig

Vergangenes Jahr habe ich mir zu meinem Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Es war mein letzter offizieller Arbeitstag in der Festanstellung. Ab 1. November war ich ohne Job, bereit für das Abenteuer Selbstständigkeit.

Jetzt rückt mein Geburtstag wieder näher und ich will die Zeit nutzen, um auf das letzte Jahr zurückzuschauen.

Der Start

2024 war ich aufgeregt, ich spürte ein Kribbeln. Endlich war es so weit. Ich würde selbst über meine Tage entscheiden dürfen, kein „Absitzen“ von Arbeitszeit, sondern mehr Flexibilität, eigene Kunden und einfach mein Ding machen.

Ein halbes Jahr später scrollte ich frustriert durch die Jobanzeigen, zwei Coachings lagen hinter mir. Ich hatte zwar auch schon einzelne Aufträge gehabt, aber es schien einfach nicht richtig voranzugehen und das, obwohl ich genauso viel arbeitete oder sogar mehr als in der Festanstellung.

Vielleicht ging es dir auch schon mal so, du steckst deine ganze Energie in ein Projekt, aber statt durch die Decke zu gehen, verpufft sie in Aktionismus, es entsteht Beschäftigung statt Bewegung. Genauso fühlte es sich an. Was mir hier geholfen hat, ist das Bild von Samen, die ich säe und deren Früchte ich später ernten werde.

In Projekten und großen Veränderungsprozessen beobachte ich Ähnliches: Am Anfang kosten sie enorm viel Abstimmungsbedarf und der Fortschritt ist selten sofort sichtbar. Nicht umsonst empfiehlt Change-Experte Kotter hier das „Schaffen schneller Erfolge“, um die Energie im Prozess zu halten.

Ich lerne, dieser Phase zu vertrauen. Weiterhin helfen mir die ersten Erfolge und der Austausch mit anderen Selbstständigen. Dieser zeigt mir auch: Diese Phase gibt es bei allen, bevor es wirklich trägt.

Lernen aus der Retrospektive

Zusätzlich habe ich erkannt, diese Phase ist extrem wertvoll: Durch Gespräche und Ausprobieren entdecke ich, was mir liegt, worauf ich meinen Fokus setzen will – und auf welche Dinge ich bewusst verzichte. Manchmal gehen diese Learnings aber auch im Alltag unter. Deswegen nehme ich mir regelmäßig Zeit für eine Retrospektive.

Dabei muss diese gar keine fancy Fragen enthalten oder besonders umfangreich sein. Ich nutze dafür gerne das einfache Format Start–Stop–Continue. Und deshalb jetzt hier ein Einblick in meine Ein-Jahres-Retro:

Anfangen (Start)

(1) Regelmäßig bloggen und Newsletter schreiben:
Ich hatte bis März einen Newsletter, den ich sehr gerne geschrieben habe. Es fiel mir so viel leichter, als auf LinkedIn authentisch zu sein und trotzdem Mehrwert zu liefern.
Meine Mentorin hatte den Leitspruch „Das Wichtigste an der Selbstständigkeit ist es, sich zu fokussieren und nicht in Aktivitäten zu verlieren.“ Also ließ ich den Newsletter erstmal ruhen.
Inzwischen habe ich erkannt: Fokus ist relativ. Mich engt es ein, mich zu sehr auf einen Kanal zu konzentrieren, mir wird schnell langweilig. Mein Fokusbereich ist anders als der meiner Mentorin, und das ist ok so. Best Practices sind nur dann sinnvoll, wenn sie zu dir passen – sonst sind sie Limiting Practices.

(2) Fehler zulassen und Dinge ausprobieren:
Auch wenn mein Verstand weiß, dass es wichtig ist, durch Fehler zu lernen, halte ich mich häufig noch zurück. Es ist, wie in Unternehmen, in denen sich niemand traut, etwas zu sagen: Es fehlt die psychologische Sicherheit. Und genau die darf ich mir selbst erschaffen.
Zum Beispiel klein anfangen: Ein LinkedIn-Post, den ich einfach poste, statt ihn zum 20. Mal zu überarbeiten. Oder: Wertschätzende Umfelder suchen, um etwas auszuprobieren: So habe ich zum Beispiel bei der LS Connect meine erste eigene Session geleitet.
Außerdem gibt’s jetzt noch ein neues Buch auf meiner Leseliste, das mir vielleicht hilft: Wertvolle Fehler, Right kind of Wrong von Amy Edmonson.

Aufhören (Stop)

(3) „Professionell“ sein:
Feilen an Formulierungen, das perfekte Licht fürs LinkedIn-Foto – bei fast allem frage ich mich: Ist das professionell genug? Dabei entsteht Verbindung genau durch unperfekte Momente. Ich erlebe bei mir und anderen, wie enttäuschend es sein kann, wenn Beiträge mit Themen, die uns wirklich bewegen, schlechter laufen als die schnellen, leichten Posts.
Meine Theorie: Bei wichtigen Themen feilen wir so lange am Text bis durch die vermeintliche Professionalität jede Authentizität verloren geht. Deswegen werde ich es künftig so handhaben, wie ich es in meiner Journalismus-Ausbildung gelernt habe: Text schreiben, liegen lassen, einmal überarbeiten und dann posten.

(4) Zu viel Druck auf LinkedIn:
Das angebliche Erfolgsrezept auf LinkedIn: 100 Kontaktanfragen pro Woche, eine charmante Willkommensnachricht, fleißig kommentieren – und am besten drei Posts wöchentlich. Je länger ich diesem Rezept gefolgt bin, desto stärker wuchs der Druck, und desto geringer meine Energie und damit auch der Erfolg.
Menschen spüren deine Energie. Ein Grund, warum ich vor Meetings und Workshops immer ein paar Mal tief durchatme. Das gilt jetzt auch für LinkedIn: Weiter kontinuierlich dranbleiben, aber darauf achten, dass es nicht zur Pflicht verkommt und es lieber so zu gestalten, dass es zu mir passt. Eine Änderung: Ich werde nicht mehr regelmäßig morgens posten, sondern zu Zeiten, die besser für mich passen.

Weitermachen (Continue)

(5) Vernetzen online wie offline:
Die Kraft der Vernetzung habe ich im Vorfeld der Selbstständigkeit unterschätzt und heute frage ich mich, warum ich nicht schon als Angestellte damit angefangen habe. So war ich dieses Jahr auf einigen tollen Veranstaltungen von der Wertstatt, den Wirtschaftsjunioren, dem Impuls-Café oder der Liberating Structures Community.
In all diesen Formaten und Gruppen nehme ich eine sehr offene und einander zugewandte Atmosphäre wahr. Obwohl es sich um Businessthemen handelt, geht es vor allem um das gemeinsame Lernen und einander zu sehen. Das ist für mich eine echte Bereicherung.

(6) CoWorking:
Dieser Text entsteht gerade während eines Online-Coworkings. Diese organisiere ich mir regelmäßig mit Gleichgesinnten oder nehme an organisierten teil, wie dem regelmäßig stattfindenden Schöngold Co-Writing Space von Stefanie Heiserowski. Zuerst tauschen wir uns kurz aus, dann wird in zwei Blöcken à 45 Minuten an einer bestimmten Sache gearbeitet. Alle, die ich bisher im Coworking getroffen habe, sind sich einig: Die Motivation und der Fokus sind hier viel höher als wenn wir alleine vor uns hinarbeiten.

Ich habe immer gelächelt, wenn es hieß: „Selbstständigkeit ist die größte Persönlichkeitsentwicklung, die du durchlaufen kannst.“ Das vergangene Jahr zeigt: Ja, verdammt, das ist es. Von außen sah es vielleicht ruhig aus, aber in mir drin war ganz schön was los.

Veränderung beginnt mit Klarheit

Digitale Transformation, Change, hybride Zusammenarbeit – wir reden viel darüber.

Die entscheidende Frage aber ist: Wie kommen wir vom Reden ins Tun? 

Ich unterstütze Projektleitende und Führungskräfte dabei, vom Aktionismus in die Umsetzung zu kommen. Mit innerer Klarheit, Struktur und der Beteiligung von Betroffenen.

Wenn du spürst, dass herkömmliche Projektmethoden nicht mehr reichen, dann lass uns sprechen.

Mehr Einblicke findest du hier: